Traumberuf Testfahrer: Fahren am Limit
Traumjob Testfahrer: Wahrheit oder harter Job? Vorweg gesagt, es gab sehr wenige freiberufliche Testfahrer; die meisten Testfahrer sind bei einem Autohersteller bzw. Reifenhersteller fest angestellt und das ist kein Traumjob. Auch müssen wir uns erst mit den Umfeldern von Testfahrern beschäftigen, um zu sehen, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Denn Testfahrer ist nicht Testfahrer.
a) Der Langstrecken-Testfahrer – oder auch Dauertestfahrer
Hier ist der Name Testfahrer ein wenig dick aufgetragen; denn letztendlich spult dieser Fahrer meist auf öffentlichen Straßen, Kilometer über Kilometer ab. Diese Aufgabe hat mit dem eigentlichen Testfahrer gar nichts zu tun. Hier werden teils auch Studenten oder andere Aushilfen eingesetzt.
b) Der Digitale-Testfahrer oder objektive Testfahrer
Hier kommen wir dem Beruf Testfahrer schon ein wenig näher. Aber auch hier geht es vorwiegend darum, mit technischen Messinstrumenten bestimmte Fahrzeugeigenschaften bei der Fahrt aufzuzeichnen und diese in der Forschung und Entwicklung auszuwerten. Der objektive Testfahrer kann auch am Limit fahren, jedoch in der Regel nicht so kontrolliert wie der Rennfahrer bzw. subjektive Testfahrer.
c) Der subjektive Testfahrer
Dieser Testfahrer hat den Namen auch verdient, denn er testet wirklich das Fahrzeug auf Herz und Nieren – hier steht auch nicht die Funktion von Radio oder Lüftung im Vordergrund, sondern das Fahrverhalten bis hin in den Extrembereich.
Einer der bekanntesten Testfahrer war Andreas Conrad aus Reken. Andreas Conrad hatte seine ersten Sporen bei der Redaktion AutoBild in Hamburg verdient, wo er in der Testredaktion beschäftigt war. Danach wechselte Andreas Conrad zum Reifenhersteller Pirelli, hier begleitete er diverse Testfahrten. 1991 wechselte Andreas Conrad dann zum TÜV Bayern, dem heutigen TÜV Süddeutschland, wo er dreieinhalb Jahre die Leitung des Fahrversuchs unter sich hatte. Erst nach dem Andreas Conrad diese 3 Stationen durchlaufen hatte, war er, als er sich 1994 als erster Testfahrer selbständig macht hatte und Testfahrten für die gesamte Industrie anbot, anerkannt.
Denn als Testfahrer wird man nicht geboren. Das Feeling zwischen Händen und Popo, dem so genante Popometer, entwickelt sich erst nach vielen Testkilometern. Egal ob am Polarkreis auf Eis und Schnee oder in glühender Hitze im Tal des Todes. Testfahrer zu sein ist kein leichter Job. Fitness ist oberstes Gebot und dazu gehört ein tägliches sportliches Training.
Auf den Renn- und Versuchsstrecken der Industrie verliert man jede Menge Flüssigkeit, wenn man am Limit fährt, so die Aussage von Andreas Conrad. Bis zu 4 Liter Schweiß rinnen durch die Poren bei einem strukturellen Haltbarkeitstest auf dem Nürburgring.
Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Ausbildung von Testfahrern und Rennfahrern. Seine Schulungstrecke war die Nordschleife des Nürburgrings oder auch die Grüne Hölle genannt.
In den neunziger Jahren war wurde Andreas Conrad auch als Toptalent in Motorsport auf der Rundstrecke und in der Disziplin Rallye gehandelt; Andreas Conrad wollte aber nie Rennen fahren. Sein Kredo war: Wenn ich schon des Berufes wegen den ganzen Tag auf den Renn- und Versuchsstrecken unterwegs bin, muss ich nicht auch noch in meiner Freizeit Rennen fahren.
Die Industrie bezahlte Andreas Conrad dafür, dass er angehenden Testfahrern das Fahren im Grenzbereich schulte. Wichtig war jedoch, dass es keine unkontrollierte Fahrt im Grenzbereich war, sondern das die angehenden Testfahrer auch noch das subjektive Fahrverhalten beschreiben konnten und so zukünftig, mit ein wenig Training, ihrem Job als Testfahrer bestehen konnten.
Andreas Conrad führte bis 1997 internationale Testreihen für Konzerne aus den USA, Japan, Südkorea und selbstverständlich auch Europa durch, bevor er sich seit 1997 dem Internet hingab, in welchem er noch bis heute geschäftlich tätig ist.
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